Einblick in die Praxis – Der BIM Kongress Deutschland am 10. November 2015 in Frankfurt am Main

Alle reden von BIM, doch jeder meint etwas anderes damit“, begrüßt Dr. Eberhard Stegner, Geschäftsführer der GRAPHISOFT Deutschland GmbH die weit über 400 Teilnehmer beim BIM Kongress Deutschland.

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Ob am Ende der ganztägigen, komplett ausgebuchten Veranstaltung alle Besucher eine übereinstimmende Definition von Building Information Modeling abgegeben hätten, sei einmal dahingestellt. Sicher aber ist, dass die Kongressteilnehmer einen tiefen Einblick in die BIM Praxis erhielten. Sie erfuhren viel darüber, wie BIM ganz konkret funktioniert und was es bei der Umstellung auf die neue Planungsmethode zu beachten gilt. Keine akademischen Diskussionen – vielmehr hatten die Praktiker das Wort. Erfahrungsberichte aus kleinen, mittleren und großen Büros beantworteten die zentralen Fragen, vor denen viele Planer heute stehen: Wie verläuft der Weg von 2D zu 3D bis hin zu BIM? Wie teuer ist BIM wirklich? Lohnt sich BIM auch in kleinen Büros? Was bedeutet BIM für die Büroorganisation? Welche Auswirkungen hat BIM auf Honorierung, Haftung und Urheberrecht?

Dabei wurden in insgesamt 16 Vorträgen die Vorteile von BIM klar herausgearbeitet. Optimierte Planungsprozesse, größere Transparenz, die Vermeidung von Planungsfehlern, Effizienzsteigerung, bessere Kommunikation und größere Wirtschaftlichkeit sind unanfechtbare Argumente für die neue Planungsmethode. Aber auch Schwierigkeiten bei der Umsetzung von BIM kamen zur Sprache. Sei es das Fehlen verbindlicher BIM-Standards, mangelndes Wissen auf Bauherrenseite und natürlich auch der Faktor „Mensch“. Wem fällt es schon leicht, sich von tradierten und bewährten Arbeitsweisen zu lösen? Und BIM funktioniert nur bei einer konsequenten und strukturierten Handhabung – auch das ein Ergebnis der Praxisberichte. Doch trotz mancher Probleme, die es zu überwinden gilt, überwiegen die Vorteile. BIM ist alternativlos – darin waren sich alle Referenten der von GRAPHISOFT organisierten Veranstaltung einig. Neben den Beiträgen aus der unmittelbaren Planungspraxis kamen auch Bauherrenvertreter zu Wort und juristische Fragen in Bezug auf HOAI, Vertrags- und Urheberrecht wurden eingehend behandelt.

„Eine rundum gute und informative Veranstaltung. Sehr interessant: der Vortrag von Jakob Andreassen über die Planungspraxis bei BIG, seine Ausführungen über OPEN BIM und die Notwendigkeit, alle Planungspartner von Anfang an in den BIM Prozess miteinzubeziehen. Für uns als mittelständisches Büro waren jedoch vor allem die Praxisberichte aus kleinen und mittleren Büros von Interesse. Hier wurde deutlich: BIM funktioniert und BIM lohnt sich auch bei kleinen und mittleren Projekten. Das zu sehen, war für uns sehr wichtig. “

Dipl.-Ing. Bernd Hullak, Hullak Rannow Architekten, Ulm

„Eine sehr informative Veranstaltung, die uns viele Fragen beantwortet hat. Großer Erkenntnisgewinn, wertvolle Hinweise für unsere Planungspraxis – BIM ist kein Hexenwerk! Die Veranstaltung hat uns in unserem Beschluss bestärkt, auf BIM umzusteigen“ – so das Urteil zahlreicher Besucher. Positive Resonanz auch bei den Teilnehmern, die BIM bereits in ihren Büros praktizieren. Ihr Interesse galt vor allem dem zweiten großen Thema des Kongresses: OPEN BIM.

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BIM beginnt zwar im Architekturbüro, findet aber seine notwendige Fortführung in der interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Planungspartnern. Wie lassen sich mit OPEN BIM, das heißt, dem modellbasierten, intelligenten Datenaustausch via IFC Prozesse optimieren, Fehler vermeiden und die Effizienz steigern? Neben Vorträgen zu diesem Thema gab die begleitende Fachausstellung Antworten auf diese Fragen. Anhand eines konkreten Beispiels wurde der BIM Workflow demonstriert. Ein in ARCHICAD generiertes Architekturmodell wurde gefiltert und an die Zeit- und Kostenplanung bzw. an Tragwerksplanung, Haustechnik und Energiebewertung übergeben, in den jeweiligen Disziplinen bearbeitet und wieder an das Architekturmodell zurückgegeben. Wie der Im- und Export der Referenzmodelle in der Praxis funktioniert, und welche Vorteile damit verbunden sind, davon konnten sich die Besucher an den Ausstellungsständen von insgesamt elf unterschiedlichen Softwareherstellern überzeugen. Das Ergebnis: BIM ist nicht nur ein Planungstool, sondern auch ein Kommunikationswerkzeug zwischen unterschiedlichen Planern und Gewerken.

In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern der Bauindustrie – u.a. mit Dr. Ilka May, Heribert Leutner, Dirk Schaper und Daniel Mondino – wurde noch einmal hervorgehoben, dass sich Planungsqualität angesichts des wachsenden Zeit- und Kostendrucks in der Bauwirtschaft nur mit BIM realisieren lässt. BIM, das sind Menschen, Prozesse und Technik. Die Bauwirtschaft braucht BIM und BIM bedarf des Miteinanders. Die Bereitschaft zur Transparenz von Seiten der Architekten sei eine Voraussetzung für BIM. Zugleich bedeute BIM eine große Chance für den Berufsstand, seine führende Rolle als „Baumeister“ im gesamten Planungs- und Bauprozess zurückzuerobern. Dazu gehöre allerdings die Bereitschaft, auf den bereits fahrenden Zug aufzuspringen. Wer diesen Schritt nicht wage, für den werde es in einigen Jahren schlecht aussehen – so der Tenor der Diskussion.

„Wir freuen uns über die überaus positive Resonanz auf unseren BIM Kongress“, sagt Dr. Eberhard Stegner. „Dass die Veranstaltung bis auf den letzten Platz besetzt war, zeigt dass BIM bei einer wachsenden Zahl von Planern zu einem zentralen Thema geworden ist – zugleich ist das große Interesse Indiz für den nach wie vor großen Informationsbedarf. Die Digitalisierung der Bauindustrie ist nicht aufzuhalten. GRAPHISOFT wird in diesem Prozess auch weiterhin eine große Rolle spielen – mit der Weiterentwicklung der Technologie als auch mit Veranstaltungen wie dieser“, so Dr. Stegner.

„Am Ende der Veranstaltung ein Aha-Effekt: Wir setzen BIM bereits erfolgreich um. Für mich war vor allem das Thema OPEN BIM von Interesse. Wie kann der Datenaustausch mit anderen Disziplinen optimiert werden? In diesem Zusammenhang waren die Ausstellung und die Vorträge des zweiten Teils interessant.“

Dipl.-Ing. Ruth Gall, Knoblauch Projekt GmbH, Markdorf

“Wir haben damit begonnen, uns mit BIM auseinanderzusetzen. Der Kongress hat uns viele Fragen beantwortet, und wir haben viel darüber erfahren, wie BIM in der Praxis funktioniert, worauf es ankommt bei der erfolgreichen Implementierung, wie sich Planungsabläufe mit BIM verändern und welche Fragen sich in Bezug auf die Honorierung der Architektenleistungen stellen. Wir prüfen nun die erforderlichen Investitionen und was es darüber hinaus für unser Büro bedeutet, auf BIM-gestützte Planung umzusteigen.”

Dipl.-Ing. Axel Kümmeth, FAAG Technik GmbH, Frankfurt am Main

“Eine interessante Veranstaltung! Wir arbeiten bereits mit BIM und wollen nun einen Schritt weiter gehen in Richtung OPEN BIM, um eine noch größere Effizienzsteigerung zu erzielen. In dieser Hinsicht waren die Ausstellung und Vorträge sehr hilfreich. Interessant auch der Vortrag von Thomas Schmitt zu den vertragsrechtlichen Fragen rund um BIM. Wir bleiben am Ball, darin hat uns die Veranstaltung bestärkt – und ganz sicherlich auch die Mitarbeiter unseres Büros noch einmal motiviert.”

Dipl.-Ing Benjamin von Zehmen, BLFP Frielinghaus Architekten, Friedberg

“Es gibt noch viele Ungewissheiten in Bezug auf BIM; verbindliche Standards fehlen. Das hat die Veranstaltung deutlich gemacht. Wir sind dabei, unser Büro auf BIM umzustellen – dieses auch wirklich durchzuziehen, darin hat uns der Kongress bestärkt – trotz aller noch existierenden Unsicherheiten.”

Dipl.-Ing.(FH) M.A. Fabrice Henninger, raumspielkunst, Stuttgart

“Eine durchweg interessante und informative Veranstaltung, die das Thema BIM in seiner ganzen Vielfalt und Komplexität dargestellt hat. Schade, dass man im Rahmen der Breakoutsessions nicht alle Vorträge anhören konnte. Wir wollen umsteigen auf BIM. Die Entwicklung geht mit großen Schritten voran und wir müssen uns beeilen. Das hat mir der Kongress verdeutlicht – auch wenn verbindliche Standards fehlen und bei der Umsetzung von BIM noch jede Menge Pionierarbeit geleistet werden muss.”

Dipl.-Ing. Jan Soltau, Tsj tönies+schroeter+jansen freie architekten GmbH, Lübeck

“Großer Erkenntnisgewinn – der Kongress hat das Thema BIM in seiner ganzen Bandbreite widergespiegelt. Ich bin beruhigt, BIM ist kein Hexenwerk – alle kochen nur mit Wasser. BIM ist keine Revolution, sondern eine Evolution – das hat die abschließende Podiumsdiskussion deutlich gemacht. Die Veranstaltung hat mir auch gute Anregungen für mein geplantes BIM Projekt mit Studenten an der HTKW Leipzig geliefert.”

Prof. Henning Rambow, HTKW Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

“Der Kongress hat einen guten Einblick in die verschiedenen Aspekte der neuen Planungsmethode geboten. Besonders interessant fand ich den Vortrag von Jörg Benning, der die Probleme, die einer erfolgreichen Umsetzung von BIM heute noch entgegenstehen – von fehlenden Standards bis hin zu unzulänglichem Wissen auf Bauherrenseite – aufgegriffen hat, aber dann auch Lösungswege aufzeigte, wie die vorhandenen Hürden zu überwinden sind. BIM wird kommen – und wir als Architekten sollten es als zukunftssicheres Planungswerkzeug nutzen.”

Frank Scholl, Architekt / Projektleiter, Angela Fritsch Architekten BDA, Seeheim-Jugenheim

“Ich bin mit einem Fragenkatalog auf den Kongress gekommen. Antworten, die mir in den Vorträgen nicht gegeben wurde, fand ich in den Pausen – im Gespräch  mit den Referenten, Ausstellern und anderen Teilnehmern.”

Andreas Pilot, Büro-Koordinator/ BIM-Manager, Angela Fritsch Architekten BDA, Seeheim-Jugenheim